der Hobbit in 3D – eine unangenehme Reise

In diesem Artikel möchte ich gleich 3 kontrageilen Themen gleichzeitig eins drüber zwiebeln.

Zum einen 3D Filme und das aus dem aktuellem Anlass “Der Hobbit” und natürlich das Thema Kino im allgemeinen.
Dieser Artikel schlummert schon etwas auf meinem Rechner, ich bin nie dazugekommen ihn fertig zuschreiben. Jetzt da die Trailerwelle für Der Hobbit – Smaugs Einöde anrollt schien es mir ein geeigneter Zeitpunkt zu sein um kontrageilheit und Aktualität zu vermischen.

Ich bin nicht sonderlich oft im Kino. Nach der folgenden Geschichte wird das der ein oder andere vielleicht sogar verstehen.
Hast Du Lust auf Kino ? wurde ich von Freunden gefragt “Der Hobbit” – Klar warum nicht ? Ein Film in Überlänge in einem stickigen, miefigen und viel zu warmen Raum zu sehen, wollte ich schon lange mal wieder.
Und so entschlossen wir uns, etwas zu Peter Jacksons Altersvorsorge beizutragen und kauften uns Karten.

Der Hobbit 3D

Ich ziehe das Fazit mal an den Anfang:
Auch wenn viele Hobbit Fans mich dafür steinigen werden: Ich finde den Film scheiße. Ja einfach scheiße. Ich mochte Herr der Ringe und ich liebte auch das Buch “Der Hobbit” aber ich hasse diesen Film. 3 Stunden für den ersten Teil… Also bitte Peter Jackson, weißte selber oder ? Hätte man Herr der Ringe genauso detailgetreu gedreht, dann würden wir gerade in Teil 14 erleben wir Frodo mit seinen Gefährten von Bruchtal aufbricht. Und irgendwann im Jahre  2046 würden wir gemeinsam mit unseren Enkeln die Vernichtung des Ringes in den Feuern des Schicksalsberges auf der Leinwand bestaunen und dem kleinen Brutus erzählen “Ach Kind, ich weiß noch als ich damals Deine Oma im ersten Teil kennen gelernt habe, sie saß genau vor mir….” Ja es ist schön einen Film zu sehen, der so episch in quälende Länge gezogen wurde dass man immer wieder damit kämpft seine Augen offen zu halten. Jeden noch so kleinen Dialog hat man feinsäuberlich 1zu1 samt Kunstpausen auf Zelluloid gebannt. Während man bei Herr der Ringe noch auf für die Haupthandlung unwichtige Passagen verzichtet hat, reimt Peter Jackson in Der Hobbit noch Eigenkreation dazu. Ja man muss auf 3×3  Stunden kommen – koste es was es wolle. Der dösbaddelige Kinomob zahlt ja dann auch das Dreifache.

Und dann auch noch 3D. Ich weiß nicht was daran toll sein soll. Man setzt sich eine Brille über die Brille mit der man aussieht wie eine Mischung aus dem hornbillentragende Dieter Krebs in einem Witz aus Sketchup und Karl Nappel. Ja es ist nicht einfach im Kino von heute zu flirten. Aber ok, wir wollen ja einen Film genießen und nicht geil aussehen.

Bepackt mit Brille, nem Eimer Popcorn und Cola gesellten wir uns zu der Horde wartender Hobbit Fans. Der Film lief kurz vorher im gleichen Saal bereits einmal. Also kamen wir in einen Kinosaal, der nicht wie sonst erst während dem Film einen betörenden Duft von Käsesoße und Körperausdünstungen entwickelt, nein er war bereits in diesem Zustand – Yeah ! Vielleicht auch ein zusätzlicher Service des Kinobetreibers. Wir suchen also unseren Platz im hinteren Teil des 32 Grad warmen Kinosaals.

Mein Platz war sogar noch warm… Lecker. Also überwand ich meine generelle Abneigung gegen angewärmte Sitzmöglichkeiten und machte meinem linken Sitznachbarn direkt klar, dass er gefälligst die Armlehne frei lassen soll, sollte er noch irgendwann mal Kinder bekommen wollen.

Das Licht geht aus, die Werbung beginnt. Was läuft eigentlich falsch bei den Werbehanseln ? Es gab mal eine Zeit da war im Kino sogar ein Großteil der Werbung sehenswert. Aber das war einmal vor langer langer Zeit. Heute sieht man genau die gähnend langweiligen TV Spots nur eben mit Überlänge, unterbrochen von dilletantisch anmutendenden Werbespots vom hiesigen Möbelhaus und der KFZ Werkstatt nebenan. Gefühlte 90 Minuten später, wünschte ich mir ich hätte statt der Cola einen 2 Liter Becher Vodka mitgenommen – aber immerhin der Film beginnt.
Die Begleitung meines Sitznachbarn hat die Zeit genutzt um sich ganz frische Nachos mit Käsesoße zu holen um rechtzeitig zum Filmbeginn den abartigen Käsesoßenduft in meiner Region zu verbreiten. Ich weiß nicht was Kinobetreiber in dieser Soße verarbeiten, aber ich glaube ein wesentlicher Bestandteil der Soße sind fein geriebene Schweißfusseln aus den Zehenzwischenräumen der Mitarbeiter. Natürlich ist es verpflichtend in diese Ekelgetränkten Chips ausschließlich herzhaft reinzubeißen. Mund weit aufreißen – Nacho rein und dann den Oberkiefer wie eine tonnenschwere Falltür auf den Unterkiefer fallen lassen. Meine Sitznachbarn beherrschen diese Disziplin natürlich zur Perfektion.

Nach einer halben Stunde ist Bilbo immer noch nicht auf seine Reise aufgebrochen, stattdessen singen die Zwerge in seiner Hütte. WARUM ? Warum verdammt nochmal – Alle Welt weiß worum es geht – Zieht los ihr Pappnasen und erlebt Abenteuer. Wenn ich saufende und grölende Bartträger sehen will, gehe ich aufs Oktoberfest. Es wird also jede einzelne Ankunft von jedem Zwerg minutenlang ausgeschlachtet – Klar man muss ja 3 Stunden voll bekommen um das Kinopublikum 3x abzuziehen und weil ja Peter Jackson draufsteht empfindet man dieses Saufgelage als episches Meisterwerk.

Als der Zwergenhaufen samt Hobbit endlich aufbricht und ich den Käsesoßenduft schon gar nicht mehr wahrnahm, weil er sich in jeder Faser meiner Klamotten wie Giftgas eingenistet hatte, setzt mein Sitznachbar noch einen drauf und mengt dem Duft noch eine leckere Brise Achselschweiß hinzu.

Ich ergebe mich dem “Duft” und sinke geistesabwesend in meinen Sessel um mich von diesem episch langweiligen Streifen berieseln zu lassen.

Hin und wieder nehme ich mehr oder weniger sinnbefreit in die länge gezogene Szenen wahr.

Seit nunmehr 20 Minuten schnetzelt sich Gandalf und die 7 Zwerge durch die Orkhöhle und schubst einen Ork nach dem anderen in die Tiefe. Das ganze dauert deutlich länger als die gesamte Schlacht um Helms Klamm.

Ich bekomme Kopfschmerzen, nicht nur aufgrund des mittlerweile 48 Grad warmen Kinosaals ohne Sauerstoff, sondern auch weil ich nicht mehr erkennen kann ob da jetzt ein Ork über die Brücke stürzt oder ein Klumpen Dreck. Meine Augen können durch die 3D Aufnahmen Darsteller nicht mehr vom Hintergrund unterscheiden und so verschmelzen trotz 48er Bildrate die Darsteller zu einem gräulichen Schleier.

Das tolle an 3-D Filmen ist ja, dass Handlung nicht mehr benötigt wird, man klatscht dem dumpfbackigen Kinomob einfach eine endlose Aneinanderreihnung von Effektgewittern um die Ohren und erntet dafür Staunen und Respekt. Eine Handlung mit kniffligen Wendungen und Überraschungen, die einen so richtig packt, kann schließlich jeder – Tolle 3D Kampfszenen kann allerdings nur der hochbegabte Filmemacher bieten, der einen Computer im Schneideraum stehen hat.

Das Highlight kommt bekanntlich zum Schluss – Für mich war es aös nach endlosen 180 Minuten endlich die Endtitels über die Leinwand flimmerten.
Wir stürmen raus aus dem 73 Grad warmen Kinosaal um endlich was aufregendes zu erleben – nämlich nachhause und schlafen.

In diesem Sinne, Gute Nacht.

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