Der Waldspaziergang. Warum der Dödel hier nicht her gehört

Ich habe bereits im letzten Jahr dieses Phämomen „Waldspaziergang“ beobachtet und auch dieses Jahr verstehe ich es immer noch nicht. Als leidenschaftlicher Biker bin ich oft im Wald – sehr oft. Dort begegne ich mal mehr mal weniger Menschen. Was ich nicht verstehe ist diese Statistik, basierend auf gefühlt wissenschaftlich bewiesenen subjektiven Daten:

April bis September: Menschen, denen ich im Grunewald begegne: 7 (Gesamt)
Oktober bis März: Menschen, denen ich im Grunewald begegne: 38.983 im Schnitt pro Sonntag

Im Sommer leben Fahrradfahrer und Hundehalter in friedlicher Koexistenz miteinander. 6 volle Monate lang. Hundehalter nehmen ihren Hund beiseite, damit der Radler passieren kann. Radler bremsen ab um den Hund samt Halter nicht unnötig zu stressen. Man bedankt sich, man nickt, man lächelt. Es ist toll!

Doch dann im Oktober kommen Horden von Waldspazierdeppen und walzen bei einem Waldspaziergang durch die Natur. Dabei ist es völlig egal ob es ein nasskalter Novembertag bei 2 Grad ist, bei dem man durch Matschpfützen watscheln muss. Es ist ein Gesetz: Sobald der Sommer vorbei ist, pilgern Heerscharen in den Grunewald – Jeden verfickten Sonntag. Auf dem Weg dahin stehen sie 1,5 Stunden im Stau auf der Waldzubringerstraße und parken den gesamten Waldrand Stoßstange an Stoßstange zu. Und dann stapft die Horde durch den Wald um nach einer halben Stunde die Waldwege mit Coffe to Go Becher von der Tanke zu zu pflastern.

IHR! GEHÖRT! HIER! NICHT! HER!

Grundsätzlich gibt es 3 Typen beim Waldspaziergang

1. Das Pärchen

Am Gesichtsausdruck des Mannes kann man genau ablesen, dass die Freundin bereits seit 5 Monaten auf den Typen einredet „Lass uns doch mal in den Wald gehen“ nachdem irgendwann alle männlichen Abwehrantworten (zu warm, zu kalt, zu windig, zu nass, nachher kommt Fußball, heute nicht, ich fühle mich nicht gut…) aufgebraucht sind, lässt dich der Mann Mitte Oktober dann doch mal am letzten schönen Tag des Jahres breitschlagen, mit der Gewissheit, dass die Olle dann endlich Ruhe gibt und es eine Woche später dann eh zu kalt ist und man das Thema bis Mai von der Backe hat.

2. Der Wächter

Das sind Waldspazierdödel, die den Menschen die dort regelmäßig sind, ihre Regeln aufdrücken wollen. Am besten versteht man diesen Typus an folgendem Beispiel:
Die Protagonisten: Ein Fahrradfahrer, ein 12 jähriges Mädchen, eine keifende Helikoptermama, und ein noch widerlicher keifender Helikopterpapa beim Waldspaziergang.
Der Tatort: Ein kerzengerader, ebener, ca 5 Meter breiter Waldweg im Grunewald.
Die Situation: Der Fahrradfahrer fährt zügig auf der rechten Seite, während die Kleinfamilie auf der anderen Seite entgegen kommt. Ein abbremsen des Radfahrers ist nicht nötig, da weder eine Engstelle noch eine gefährliche Situation besteht. Also – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die keifende Helikoptermama in die Fahrspur springt und wild gestikulierend keift „LANGSAM! Hier sind Kinder!“ unterstützt von dem Man, der das gleiche nochmal eine Tonlage tiefer und lauter wiederholt und so keifen beide im Kanon.

Das EINZIGE Kind auf einer Strecke von 2 Kilometern ist 12! Wenn ihr das Balg so helikoptert, dass es zu doof zum geradeaus schauen ist, dann wird die in der Welt da draußen eh nicht lange überleben. Abgesehen davon schwebte das Kind in keiner Sekunde in Gefahr.

3. Der taube Scheuklappen Dödel

Die treten immer in 3er Gruppen auf – nie zu zweit, nie alleine – IMMER DREI! Dabei schaffen sie es jeden Weg vollständig zu blockieren. Wir stellen uns folgendes vor:
50 Meter bis zum Zusammenstoß: ring-ring
nichts passiert
40 Meter bis zum Zusammenstoß: ring-ring
Nichts passiert
30 Meter bis zum Zusammenstoß: ring-ring + rascheln des Laubes am Wegrand
Nichts passiert
20 Meter bis zum Zusammenstoß: ring ring
Alle 3 bleiben ruckartig stehen und drehen sich verdutzt um. Wahrscheinlich um nachzuschauen wer da klingelt. Ok, Überraschung: Ein Radfahrer und kein mit Klingel ausgestattetes Rennreh.
Fahrradfahrer peilt die rechte Flanke an
10 Meter bis zum Zusammenstoß: 3er Dödeltrupp beginnt wie ein paar aufgescheuchte Hühner hin und her zu tippeln. Erst nach links, dann nach rechts, dann hektisches Umher schauen um am Ende dem Radfahrer volle Möhre in die Bahn zu latschen. Vielen Dank auch!

Offensichtlich ist der gemeine Waldspazierdepp im Wald überfordert, was mich zu meiner Eingangsfrage bringt:
WARUM! SEID! IHR! HIER!?

Neben einer etwas kruden Verschwörungstheorie, bei der es um die Rothschilds, Außerirdische und die Flacherde geht, gibt es nur eine einzige logische Erklärung:

Den ganzen Sommer über sitzen die Deppen in ihrem miefigen Dreiraumwohnklo in Mitte und bekommen im Herbst Panikattacken, wenn sie feststellen, dass sie mal wieder den ganzen Sommer verpasst haben, also: ab in die Natur, frische Waldluft schnuppern und die Lungen voll Sauerstoff tanken.

Liebe Waldspazierdödel, Ihr braucht keinen Waldspaziergang – Das geht auch einfacher:

Möglicherweise ist der Waldspazierdödel auch art-verwandt mit dem Schachtschleicher in der U-Bahn

Anmerkung: Ähnlichkeiten zwischen meiner Person und der des Radfahrers sind rein zufällig.
Als Bonus habe ich übrigens der Tochter in Beispiel 2 von dem wilden Wolfsrudel erzählt, das hier immer herumstreift um kleine Kinder zu reißen.

Leave a Reply