Ein Tag im Freibad

Achim G. Heim im Freibad – Ein Erlebnisbericht.

Na das ist doch mal ein Sommer, dieses Jahr. Da das Quecksilber neue Rekorde  aufzustellen versucht, dachte ich mir ich gönne mir eine Erfrischung im nahe gelegenen Freibad. Herrlich kühles Nass, dass meinen aufgeheiztem Körper erfrischen sollte. Tolle Idee !

Gesagt getan Wecker gestellt  „Bloß nicht so spät sonst ist wieder alles so voll“.  9.30 Uhr – Ich steige in mein auf 90 Grad aufgeheiztes Auto und machte mich auf den Weg ins Freibad. Kaum von der Hauptstraße abgebogen reihte ich mich dann gemütlich in den Stau zum Freibad Parkplatz ein. Direkt hinter mir sehe ich einen dicken Mann samt noch dickerer Frau in einem weinroten Renault Twingo, die der Meinung sind, der Stau löst sich durch Hupen auf.  Es ist mir überhaupt ein Rätsel wie der schwach motorisierte Twingo dieses Jurrasic-Pärchen bis hier her befördern konnte. Die Achsen biegen sich schon durch und die Reifen schleifen an der Karosserie. Seine fleischigen Oberarme sind an das Seitenfenster gequetscht,  wo sie eine ansehnliche Schweißschicht hinterlassen. Während ich über diese Laune der Natur sinniere, bewegt sich die Autoschlange langsam weiter bis ich schließlich auf dem Parkplatz ankomme und mein Auto in eine Parklücke quetschen kann. Direkt neben mir findet der Monsterblobb einen Parkplatz. Beim aussteigen konnte man gut beobachten wie der Twingo sichtlich erleichtert gute 20 cm nach oben federte und nochmal als sie ihre beiden Kühlboxen aus dem Kofferraum holten, mit dessen Inhalt man wahrscheinlich eine Bergziegenfamilie in Peru volle 2 Wochen durchfüttern kann. Um mir einen Vorsprung auf dem Weg zur Kasse zu sichern, werfe ich den aufgeweichten Schokoriegel aus meinen Handschuhfach auf den Boden, worauf sich das Fettgebirge sofort stürzte und mit ihrem Mann darum kämpfte. Sehr schön – die bin ich erst mal los.

11.45 Uhr – Endlich die Kasse passiert und ab zur Umkleidekabine, wo ich mir wünschte meine Badehose nicht schon zu hause angezogen zu haben.

die Liegewiese

Klamotten im Schließfach deponiert und ab auf die Liegewiese. Auf dem Weg dahin vollziehe ich ein heiliges Freibad-Ritual, ich latsche voll in eine mit Majo beschmierte Pommes, die auf dem heißen Teerweg friedlich dahinvegetiert. Es gibt nur einen Ort auf der Welt wo in altem Fett durchtränkte Pommes in Papiertüten für geschmeidige 5 Euro reißenden Absatz finden und weil es es so schwierig ist die glibbrigen gummiartigen Kartoffelstäbchen in den Mund zu saugen landen halt immer wieder einzelne Exemplare auf dem Boden und warten darauf dass jemand rein tritt. Mission erfolgreich abgeschlossen.

Ein wunderschöner Anblick eine Wiese fast vollständig gekachelt mit Handtüchern in sämtlichen Farben. Ich erspähe ein etwas größeres freies Stück Wiese und breite sofort mein Handtuch dort aus und mache es mir gemütlich. Ach wat schön. Einfach mal entspannen. Es dauert nicht lange und ich nicke ein. Aufgewacht bin ich dann weil mir ein ekelhafter Käsefussgeruch in die Nase stieg und ich sah, dass das kleine Fleckchen Wiese nun vollständig bevölkert war und einer der Jugendlichen direkt neben mir seine stinkigen Turnschuhe abgestellt hat. Vielen Dank auch, da ist es nur halb so schlimm, dass aus den Boxen des Radios schlechter Deutschrap hämmert und das Kleinkind hinter mir herum plärrt. Die Twingo Frau saß auch in direkter Nachbarschaft und schlabberte genüsslich an einem Biskin-Riegel aus ihrer Kühlbox.

im Schwimmbecken

Also ergreife ich die Flucht in Richtung Schwimmbecken. Schließlich ist das ja der Hauptgrund in ein Freibad zu gehen.
Auf dem Weg dahin trete ich mit dem anderen Fuß noch in eine weitere Pommes, diesmal mit Ketchup… Lecker ! Das Becken ist so voller Menschen, dass man trockenen Fusses über die Köpfe der Badegäste von einer Beckenseite zur anderen laufen könnte. Und ihr dürft dreimal raten was ich versucht habe. Ganz genau. Unter heftigen Beschimpfungen steige ich auf die Rübe des  schwergewichtigen Mannes aus der Autoschlange am Beckenrand und mit dem anderen Fuss auf die geblümte Badekappe einer Rentnerin. Ich frage mich immer noch wo es diesen Laden gibt der rosafarbene Badekappen mit Plastikblumen verkauft wahrscheinlich der selbe Laden in dem Al Bundy seine Krawatten her bekommt mit dem Namen „Gott wie furchtbar“ Aber egal die Blümchen geben mir einen hervorragenden Halt, was auch wichtig war, weil der Dicke sich  fortwährend mit seinem Kopf wackelt, seine Arme konnte er nicht zu Hilfe nehmen, die klemmten im menschenüberfluteten Becken fest. Schnell der nächste Schritt – Verdammt warum muss ich ausgerechnet auf einen Glatzkopf treten… Prompt rutsche ich ab und finde mich eingeklemmt im angenehm temperierten Wasser von 38 Grad wieder.  Während ich darüber sinniere ob das Wasser allein durch Körpertemperatur aufgewärmt ist, oder durch Urin angereichert wurde, spüre ich wie der speckige Bierbauch meines Beckennachbars zart an meinen Rücken dotzt und mir das Kind mit den Hello Kitty Schwimmflügeln bei seinen Schwimmversuchen in den Magen tritt. Doch Zeit mich darüber aufzuregen habe ich ich nicht, weil ich nicht weiß ob ich dem abgelösten Pflaster oder dem warmen gelblichen Schwall ausweichen soll. In dem eingeengten Becken schaffe ich natürlich weder das eine, noch das andere also muss ich damit leben dass nun ein gebrauchtes Pflaster auf meinem Bein klebt und frisches Lulu am Fuss.  Jetzt brauche ich dringend eine Abkühlung indem ich einen Weg suche wie ich raus aus dem Wasser komme, schließlich beträgt die Lufttemperatur nur schlappe 29 Grad. Aber der einzige Weg raus aus dem Becken war einfach abzuwarten bis einen die Menschenströmung wieder an einen Beckenrand getrieben hat, nach einer guten Stunde gelangte ich auch an der der anderen Seite an und konnte endlich aus dem „Wasser“ raus.

auf der Riesenrutsche

Auf der verzweifelten Suche nach Erfrischung versuche ich mein Glück mal an der Riesenrutsche – Da scheint auch gar nicht so viel los zu sein, also schnell rauf auf die Wendeltreppe aber nach ein paar Runden sah ich, dass nicht wirklich wenig los war, sondern einfach nur die hinteren Leute, die Schlange immer weiter zusammengedrückt haben.  Es dauerte auch nicht lange da kamen von hinten immer mehr Menschen und so war ich eingequetscht zwischen schwitzenden Körpern.  Die wabbernde Menge bewegte sich aber immerhin Stück für Stück nach oben nach 45 Minuten war ich dann endlich an der Reihe. Ich gab dem vor mir rutschenden Rutschgast etwas Vorsprung, damit ich auch schön durchkomme und schwinge mich in die Rutsche. Das schöne war dass das ständig nachlaufende Wasser tatsächlich kühl war.  Ich beschleunigte und freute mich auf eine schöne Rutschpartie – Doch nach der ersten Kurve raste ich mit Vollgas auf meinen Vordermann, der ebenso nicht weiter rutschen konnte, weil irgendetwas das Rutschrohr verstopfte und schon rammte mich mein Hintermann in den Rücken.  Einziges Highlight war, dass das Wasser immer noch kühl unter meinem Hintern durch rauschte, blöd nur dass das Rohr durch die Sonne so aufgeheizt war, dass diese Abkühlung nur partiell funktionierte.  Ich hoffte insgeheim den Twingo-Mann herbei, der von hinten auf rutscht um die Verstopfung unten durch zu pusten aber daraus wurde nichts. Wir saßen satte 30 Minuten in dem Rohr bis sich die Schlange endlich wieder in Bewegung setzte – im Schneckentempo natürlich. Endlich unten angekommen, sah ich den Verursacher des Staus – Es war natürlich der Twingo Mann, der scheinbar mitten auf der Rutsche stecken blieb – Vielen Dank auch. Ich wusste gar nicht dass man auch mit einem Lastenkran auf die Rutsche hoch gehoben werden kann.

Ich beschließe den fortgeschrittenen Tag noch etwas auf der Liegewiese zu verbringen, aber als ich dann schon von weitem die plärrenden Kinder, den Deutschrap hörte und sah dass mein Handtuch zur Hälfte übervölkert wurde und ich keine Lust auf weiteren Körperkontakt hatte, beschloss ich doch lieber nach hause zu fahren. Auf meinem Handtuch lag natürlich auch eine klebrige Pommes und ich konnte auch sehen wo sie herkam – Die Twingo Frau aß gerade Pommes mit Majo und Ketchup und dippte sie zusätzlich noch in einem Pott Griebenschmalz. Ich kicke also die Pommes weg, packe meine Sachen und nichts wie raus aus dem Freibad. Während ich in meinem aufgeheizten Auto auf dem Heimweg saß, dachte ich mir „Ach so ein erholsamer, erfrischender Tag im Freibad ist doch was schönes“

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2 Comments

  1. vivian