Schnitzel Lilly, Ein Schwein folgt seiner Bestimmung

Die Fleischlobby versucht ja so einiges dem immer stärker werdenden Trend zu fleischloser Ernährung entgegenzuwirken. Dazu greift sie zu immer skurrileren Mitteln, wie hier im Aufklärungsfilm der Firma Infood über Schnitzel Lilly

Liebe Freunde von Infood. Hat Euer übermäßiger Fleischkonsum Hirnverfettung ausgelöst und die drückt jetzt ganz dolle auf die rechte Gehirnhälfte ? Anders kann ich mir diesen „Aufklärungsfilm“ ja nicht erklären, mit dem Ihr Kindern erklärt wie töfte es doch für ein Schwein ist zu Schnitzel verarbeitet zu werden.

Dieser Film erzählt die Geschichte von Schnitzel Lilly

Im Ansatz ist der Film ja richtig aufgebaut. So hat diese Glockenspielmusik im Hintergrund eher etwas von einem Psycho-Horror-Schocker als von einem Kinderfilm.
Aber dafür ist die Geschichte von Lilly Schwein einfach so herzig, dass man ganz gerührt ist, wie sie als kleines Babyschwein die Welt um sich herum entdeckt um ihrer „Bestimmung“ zu folgen.

Und dann beginnt Lilly eine Ausbildung…. im Maststall… mit Schwerpunkt Ernährung… Na ? Merkt ihr selbst ihr Experten von Infood ? oder ? Ach ne – die Hirnverfettung – ich vergaß – Dann helfe ich Euch auf die Sprünge: Ihr versucht hier ernsthaft zu suggerieren es sei für irgendein Lebewesen gesund mit allen verfügbaren Nahrungsmitteln einfach so vollgestopft zu werden bis es das Vielfache seines Körpergewichtes in unnatürlicher Zeit erreicht. Einfach rinn damit – Ja das freut den Ernährungsexperten. Da jubelt der Veterinärmediziner.

Aber Lilly ist ja ein besonders begabtes Schwein, also das heißt in der Welt von Infood: Lilly ist besonders talentiert darin zu fressen. Und so wird sie natürlich bald befördert zum… (Achtung, Knaller !) Vertrauensschwein und darf sich darum kümmern, den frischen Babyschweinen sämtliche Illusionen zu nehmen und sie in die knallharte Realität des Maststalls einzuführen.
Und so wurde aus der aufgeweckten, quirligen Lilly, die immer für einen Streich zu haben war, ein degeneriertes, desillusioniertes, bedauernswertes Geschöpf – Oder wie Ihr bei Infood das nennt: „so etwas wie ein verantwortungsvolles Mastschwein“

Und dann beginnt endlich der Höhepunkt eines Schweinelebens, also das worauf sich Lilly schon ihr ganzes Leben vorbereitet hatte.
Wir vermuten, dass Infood aus Jugendschutzgründen ab Minute 1.42 nicht näher auf die Ereignisse eingeht, die der lieben Lilly nach ihrer Ankunft im Schlachthof, nach der Begegnung mit der netten Ärztin so passiert sind. Verstehen wir – das hätte Kinder doch sehr verstört wenn man an der Stelle das blutige Gemetzel, die Todes und Angstschreie der „verantwortungsvollen Lilly“ und das Zucken, des lebendigen Schweins beim Ausbluten nach dem Aufschlitzen gezeigt hätte. Da ist ein „ab hier wird alles etwas undeutlich“ doch viel angenehmer – das muss man wenigstens nicht erklären. Eine Frage an der Stelle: Ist es eigentlich genauso wenig jugendgefährdend, wenn ich Kindern nur die erste halbe Stunde „Texas Chainsaw Massaker“ zeige, dann vor spule und am Ende lediglich das Ergebnis der Kettensägenschnetzelei – einen blutigen Berg zerschnetzelter Leichen zeige ? Bekommt man dafür dann FSK 6 ?

Aber zurück zu Lilly Schwein – Denn jetzt wird es echt grotesk
Die beginnt ja jetzt ihr neues Leben als (Achtung – Brüller:) Schnitzel Lilly. Und heissa wie sie sich darüber freut in Plastkfolie eingeschweißt im Kühlregal zu liegen, wo sie in der klein geistigen Welt von Infood sogar neue Freunde findet. Und so liegt sie in einem ganzen Haufen neuer Freunde aus fragwürdiger Herkunft und wartet auf ihre „Bestimmung“ – wie ihr das immer wieder so schön nennt.

Dass Schnitzel Lilly von einer Familie brutal und rücksichtslos von ihren gerade erst neu gewonnen Freunden los gerissen wird, scheint Euch gar nicht zu kümmern und ihr habt offensichtlich den tiefen Glauben daran, dass das ein Kind weniger desillusioniert, als ein Schlachtfest.

Und Mensch, wie Schnitzel Lilly stolz darauf ist, gebraten auf dem Teller zu liegen und ihre „Bestimmung“ erfüllt zu haben – Wahnsinn, da geht einem das Herz auf. Was für ein Happy End.

Bleibt abschließend noch eine Frage, die ich Infood noch zu beantworten bitte:
Wenn Schnitzel Lilly bis zum Schluss bei vollem Bewusstsein ist und offensichtlich auch mitbekommt was passiert – also in Eurer Welt auch als Schnitzel ein empfindsames Wesen ist – Wieso erzählt sie uns dann nicht wie toll es ist, bei 100 Grad gebraten zu werden und eine Gabel ins Fleisch gerammt zu bekommen – da wird es wohl wieder etwas „undeutlich“, was ?

Schnitzel Lilly im realen Leben

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