Telekom-Drosselung und Euroaustritt – Zukunftsvision

Telekom-Drosselung, EU Austritt – Was wäre wenn ?

Achim G. Heim war mal wieder auf Zeitreise und hat sich in der Zukunft mit einigen Leuten getroffen.
Wir schreiben das Jahr 2028. Deutschland ist vor 8 Jahren aus der Eurozone ausgetreten und hat die D-Mark wieder eingeführt. Die Telekom hat ihre Drosselungspläne verwirklicht und als Netzbetreiber diese Drosselung auch den Mitbewerbern aufgzwungen. Unternehmen wie Facebook und Twitter haben Ihre Deutschlandbüros aufgelöst, Microsoft ist von seinem Palstbau in Unterschleißheim in 3 Etagen im benachbarten Hochhaus gezogen und Onlineshops gibt es sogut wie keine mehr. Durch die anfangs starke D-Mark waren ausländische Produkte zwar spottbillig, aber das hatte zur Folge, dass deutsche Produkte kaum noch gekauft wurden und natürlich auch nicht exportiert wurden. In Folge dessen wurde die Währung herabgewertet…

Berlin – Steffi (28 Jahre).
Seit einigen Jahren ist die gelernte Mediendesignerin arbeitslos. Einst hat sie bei soundcloud gearbeitet, aber als die Ihren Deutschlandstandort geschlossen haben und nach Warschau gezogen sind, hat sie Ihren Job verloren.  „Als die Telekom den DSL Traffic gedrosselt hat, gab es für Internetunternehmen nur noch begrenzte Zukunftsaussichten, entweder man band sich exklusiv an einen Provider oder man quittierte das Deutschlandgeschäft. Als dann Deutschland aus dem Euro ausgestiegen ist, habe ich mir eine sehr kostengünstige Internetflatrate von einem polnischen Provider zugelegt, aber da die D-Mark dann ja bald abgewertet wurde, konnte ich mir die nicht mehr leisten. „Aber das ist eh egal, weil die Leitung zwar von einem Highspeed-Provider gespeist wurde aber sobald der Traffic dann ins Deutsche Netz kam, quälte er sich mit Modem Geschwindigkeit durch die maroden Leitungen“ Steffi möchte das Interview beenden und gräbt ihre Nase wieder in das Buch „Polnisch für Anfänger“

Hamburg – Steffen (15 Jahre).
Der Teenager sitzt traurig am PC. „Ich würde gerne World of Warcraft spielen, aber das ist nur bei Telekom Kunden im Tarif dabei und meine Eltern sind bei Vodafone, ich könnte zwar Star Wars The Old Republic spielen, aber all meine Freunde spielen doch WoW“

Köln – Kai (31 Jahre).
Der Musiker war Gitarist in einer Independent Rock Band. „Ach Musik ist doch in Deutschland Mangelware“  seufzt er „Nachdem die Radiosender ihren Internetkurs verfolgt haben, sind alle Stationen nur noch übers Web empfangbar, die Exklusivrechte mit dem Providern sind für die aber so teuer, dass sie Geld von den Künstlern nehmen, damit sie gespielt werden – Da ist kein Platz mehr für Independent Labels.  Keine Vielfalt mehr. Außerdem gibt es nur noch 2 Sender und die spielen Mainstream, aber auch da läuft außer Robbie Williams und Madonna nicht viel.  Spotify ist nur  mit Telekom Vertrag verlustfrei zu hören, aber das Abo hat Euro Preise – und das kann sich hier keiner mehr leisten.

Frankfurt / Oder – Horst (33 Jahre).
Wehmütig blickt er gen Osten „Da drüben, da ist das Paradies“ In 5 Jahren ist hier eine Art europäisches Silicon Valley entstanden. „So nah und doch so weit“ sagt er leise, fast traurig. „Und bei uns… Früher haben wir Autos gebaut und waren eine Industriemacht, aber Heute wird die dicke Kohle im Internet verdient und da ist Deutschland isoliert“ Auf die Frage, warum er nicht nach Polen auswandert um bei einem der unzähligen Start-Ups anzuheuern,  antwortet er mir „Das ist nicht so einfach, da drüben ist Euro-Raum und man darf nur einwandern wenn man als wirtschaftlich wertvolle Arbeitskraft gilt. Meine Internetkentnisse sind veraltet, die Technik ist soweit vorangeschritten, da komme ich nicht mehr mit“

Frankfurt – Oskar (42 Jahre).
Der Bankangestellte weiß nicht mehr wie er all die Arbeit schaffen soll. „Unser Unternehmen hat Jahrelang Onlinebanking vorangetrieben, klassische Schalter-Angestellte gibt es so gut wie nicht mehr. Aber jeden Tag strömen viele Menschen in unsere Filiale um ihre Rechnungen per Überweisung zu tätigen – Zu viele – Wir wissen überhaupt nicht mehr wie wir das alles schaffen sollen, wir sind für Kundenkontakt einfach nicht ausgebildet“ Vor der Bank steht ein Zelt – „Das ist der Warteraum, wo die Kunden Nummern ziehen“

Potsdam – Markus (27 Jahre).
Der Kommunikationswissenschaftsstudent packt gerade seinen Koffer, als ich ihm in seiner 1 Raumwohnung in einem  baufälligen Altbau besuche. „Ich hatte mit einigen Studienkollegen ein tolles Konzept für ein Social Network fertig, wir sahen unsere Chance als Facebook immer weiter Besucher verlor, aber das Konzept trägt sich nicht in einem Land mit einer Internetabdeckung von 25%, jetzt ist ein ähnliches Modell in Estland entstanden und für unsere Idee gibt es keinen Platz mehr, außerdem können wir uns den uneingeschränkten Internetzugang nicht mehr leisten um weiter zu entwickeln, ich packe jetzt meine Sachen und werde schon zum Dritten mal nach Warschau reisen und versuchen dort Fuß zu fassen.“ Er plant einen kleinen Internetblog, auf dem er Katzenbilder posten möchte.

Schockiert über die Begnungen und die Perspektivlosigkeit steige ich wieder in meine Zeitmaschine und reise zurück ins Jahr 2013 um mit uneingeschränkter DSL Geschwindigkeit diesen Artikel zu schreiben.

Foto: edans by CC/2.0/