Team Wallraff Undercover im Kontrageil Headquarter

Team Wallraff wirbelt derzeit auf RTL die Unternehmenslandschaft durcheinander. Sie decken undercover Missstände in den größten und angesehensten Unternehmens Deutschlands auf. Es ist nicht verwunderlich dass auch  der Marktführer für hausgemachten Blödsinn auf der Liste des Enthüllungsreporters steht. Und so kam es, dass sich Team Wallraff kürzlich auch in die Berliner Firmenzentrale von Kontrageil.de eingeschlichen hat. Diese Reportage wird von RTL nicht ausgestrahlt – zu schockierend seien die Enthüllungen gewesen, heißt es aus aus RTL Kreisen.

Dennoch habe ich mich dazu entschlossen diesen Artikel hier zu veröffentlichen. Die Firmenleitung und Chefredaktion weiß nichts davon und ich riskiere Kopf und Kragen, aber ich muss die Machenschaften und vor allem die Ausbeutung der Mitarbeiter einfach ans Tagseslicht bringen.

Ich bin Horst Henkel und ich war  als Gerda Gunkenheimer-Mölke-Erkensfeg Undercover für Team Wallraff bei Kontrageil.de

2 Wochen vor meinem Arbeitsantritt meldete sich ein sogenannter „Welcomeguide“ der mir bei der Wohnungssuche helfen sollte und mich dabei unterstützen sollte in Berlin auch sozial Fuß zu fassen. Er bestand auf ein diskretes Treffen in einem Café wo er mir 25 durchaus bezahlbare Wohnungen zeigte und Einladungen in 12 Abendveranstaltungen überreichte. Also das muss man sich mal vorstellen ? 2 Wochen vorher musste ICH selbst 25 Wohnungen besichtigen und mich für eine entscheiden, als hätte ich nicht ohnehin schon alle Hände voll zu tun. Es hat mich erschrocken wie viel man von neuen Mitarbeitern hier bereits im Vorfeld verlangt. Damit meine Tarnung aber nicht aufflog beugte ich mich dem Willen der Konzernleitung.

Noch vor dem ersten Arbeitstag habe ich mich mit Susanne (Name von der Redaktion geändert) getroffen. Die 25 Jährige arbeitet als Chief Executive Managing Director of Incoming and Outgoing Yield Optimiziation and Remarketing-Finalizing of Headlines and Creative Maximising im 14. Stock der Firmenzentrale.  Während wir in dem akustisch gedämpften und mit sanfter Musik beschallten und Springbrunnen ausgestattetem Aufzug fuhren,  klagte mir Susanne ihr Leid „Siehst Du, das muss ich jeden Tag machen – statt bereits unten meine Zeiterfassungskarte einzuführen, kann ich das erst oben machen. Ich meine der Fahrstuhl ist volle 2,9 Sekunden bis in meine Etage unterwegs ist – Das geht täglich von meiner Freizeit ab – das sind aufs Jahr gerechnet über 23 Minuten die ich unbezahlt in der Firma verbringen muss“. Ich nicke verständnisvoll mit 3 Sternchen in der nach oben offenen Betroffenheitsskala. Erschrocken von diesen abscheulichen Ausbeutermethoden suche ich meinen Arbeitsplatz in der 18. Etage.

Das 25 Quadratmeter große Büro mit Blick auf das Brandenburger Tor verfügt über einen höhenverstellbaren Schreibtisch samt ergonomischen Stuhl,  eine Ledersitzecke, eine Stereoanlage, Klimaanlage, eine Bar samt Barkeeper und abdunkelbare Scheiben. Auf meinem Computer ist ein Welcome Screen geschaltet auf dem steht „Herzlich Willkommen Gerda bei Kontrageil, wir wünschen Dir viel Spaß“. Das bedeutet es war also jemand von der Firmenleitung beauftragt an meinem Rechner – Ich konnte es kaum fassen wie schamlos hier Mitarbeitern hinterher spioniert wird. Nach Rücksprache mit Team Wallraff, die die zündende Idee hatten eine Kamera in meinem Büro zu installieren, mache ich mich auf den Weg um weitere Kollegen zu befragen

Das Büro neben mir gehört Olaf – Dem Resortleiter für Ratgeber, der aber gerade im hauseigenen Spa ist, wie mir seine Assistentin mitteilt. Das wollte ich genauer wissen – Was ist das für ein Spa ? Jeder Mitarbeiter darf während der Arbeitszeit täglich 30 Minuten das Spa im 26. Stock benutzen. Ich konnte meinen Ohren nicht trauen, was ich da hören musste. 30 Minuten ! Das ist eine unzumutbare Situation, schließlich dauert eine Ayurveda Ganzkörpermassage alleine schon 45 Minuten – Will man dieses Angebot also wahrnehmen, bleibt einem nichts anderes übrig als 15 Minuten Freizeit zu opfern.
Ein Skandal unter welch widrigen Umständen Führungspersonal hier arbeiten muss.

Ich treffe Mario. Mario arbeitet als Chief of Making Umsatz in der Vertriebsabteilung der Konzernzentrale. Als ich in sein Büro komme versucht er fluchend einen Kaffeefleck von seinem teuren Anzug zu bekommen. „So ein Mist“ wettert er „Nicht nur dass ich mir gerade einen Kaffee selbst holen musste, weil neuerdings auch normale Angestellte während der Arbeitszeit ins Spa gehen dürfen und meine Assistentin genau dort ist, nein jetzt klecker ich mich auch noch voll – ein echter Saftladen ist das hier“ beschwert er sich weiter. Das will ich genauer wissen und bekomme eine schockierende Geschichte zu hören „Ich reiße mir hier den Arsch auf und zum Leben bleiben mir nach allen Abzügen läppische 5.600 € Davon kann ich so schon kaum meine Frau und meinen Sohn ernähren, nein hinzu kommt dass ich mir davon auch noch meine Dienstkleidung selbst kaufen – Das müssen Sie sich mal vorstellen es wird von mir ein ansprechendes Äußeres verlangt und dann muss ich mir diesen Armani Anzug selbst kaufen.“
Diese Ungerechtigkeit macht mich traurig – und ich werfe Mario den Blick zu, den ich im Team Wallraff-Seminar für Betroffenheitsjounalismus gekauft habe.

Immer wieder stoße ich im Auftrag von Team Wallraff auf Situationen, die aus reiner Profitgier der Konzernleitung auf dem Rücken der kleinen Angestellten ausgetragen werden und schlimmer noch auf dem Rücken der ganz schwachen – den Kindern.

Erschöpft vom ersten Arbeitstag treffe ich mich mit Team Wallraff zur Nachbesprechung. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf die Überwachungskamera in meinem Büro und können unseren Augen nicht trauen. Um 20.00 Uhr betritt tatsächlich eine Frau mein Büro und macht völlig schamlos sauber. Dabei verrückt sie sogar persönliche Dinge, die ich auf dem Schreibtisch habe stehen lassen. Danach berichtete ich Günter Wallraff von meinen Gesprächen mit den Mitarbeitern.  Auch zu meinem Schutz vor diesen menschenunwürdigen Bedingungen beschließt Team Wallraff diesen Undercover Einsatz abzubrechen.

 

Foto: Bestimmte Rechte vorbehalten von nimishgogri

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